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„Ich habe jetzt meine sämtlich Arbeiten in Warnemünde eingepackt und werde wohl kaum dort mehr weilen — Es ist doch auch ein furchtbar bürgerliche Ort und paszt eben nicht für mich ...“

Edvard Munch in einem Brief an Gustav Schiefler, Warnemünde im Jahre 1908

 

Der norwegische Maler und Grafiker Edvard Munch (1863-1944) verbringt zwischen Mai 1907 und Oktober 1908 insgesamt achtzehn Monate in Warnemünde.

Nach längeren ruhelosen Aufenthalten in Berlin, Lübeck und Weimar fällt seine Wahl auf der Suche nach einem ruhigen Ort an der See auf Warnemünde. Das bereits um die Jahrhundertwende beliebte Kurbad zieht den Künstler atmosphärisch in seinen Bann. Hier erhofft er sich vor allem körperliche und seelische Entspannung sowie intensives Arbeiten.

Der Warnemünder Badeanzeiger gibt im Juni 1907 in seiner Gästeliste die Ankunft des „Kunstmalers“ aus Norwegen bekannt. Nach einem kurzen Aufenthalt in „Hosmanns Hotel“ bezieht er Quartier beim Lotsen Carl Nielsen im Haus Am Strom 53.

Erholung ...

Die ozonreiche Luft und das heilsame Klima empfindet der Maler als regenerierend. Die produktive Schaffensperiode in Warnemünde findet ihren Niederschlag in Skizzenbüchern, Grafiken, Lithographien, Gemälden und Fotografien des Künstlers. Neben Landschaftsbildern, Genreansichten und Portraitstudien entstehen hier wichtige Werke wie die „Badenden Männer“ und die Serie „Das grüne Zimmer“, die Rückschlüsse auf Konstitution und Seelenleben des Malers zulassen.

Auf Fotografien dokumentiert Munch seine Arbeit und die Modelle. Die unterschiedlichen Fotos gewähren auch einen Einblick in die Szenerie des Kurbades zu jener Zeit. Ferner vermitteln über 100 Tagebuchaufzeichnungen und Briefe von Munch selbst sowie von Verwandten, Freunden und Verehrern einen Einblick in Leben, Leiden und Schaffen jener 18 Monate in Warnemünde.

Besuche seiner Bewunderer und Förderer, die wie Gustav Schiefler, Eberhard Griesebach und Albert Kollmann auch in den offiziellen Fremdenlisten des Ortes vermerkt sind, sind dem Maler willkommen und stärkend. Dem schwedischen Sammler Ernest Thiel schreibt er: „Frische Luft und gute finanzielle Bedingungen haben große Dinge vollbracht. Es geht mir viel besser, ich lebe seit dem Sommer von Haferschleim, Milch, Brot und Fisch... Nun bin ich wie neugeboren“.

... und Rückfall

Die Genesung in Warnemünde ist nur von vorübergehender Dauer, mit der Zeit werden erneut Zeichen seines labilen Nervenzustandes deutlich. Neue Streitigkeiten mit alten Freunden, Verfolgungsangst und Wahnvorstellungen machen konzentrierte Arbeit und seelische Entspannung unmöglich.

Auch die Flut der Badegäste beraubt ihn seiner wiedergewonnenen Ruhe. „Ich habe jetzt meine sämtlichen Arbeiten in Warnemünde eingepackt und werde wohl kaum dort mehr weilen. Es ist doch auch ein furchtbar bürgerlicher Ort und passt eben nicht für mich.“ Im Oktober 1908 verlässt Munch Warnemünde, um sich in einem Nervensanatorium in Kopenhagen in Behandlung zu begeben.

In Warnemünde hinterlässt die plötzliche Abreise des Künstlers Spuren. Sein Vermieter regelt den Versand seiner Kunst und persönlichen Habe: „Wenn Sie nun irgendwie Wünsche von uns haben sollten, so schreiben Sie bitte alles, wir besorgen es sehr gerne für Sie, ebenso gut, als wenn Sie es selbst machten. Uns ist jeder Brief sowie jedes geschriebene Wort von Ihnen ein verewigtes Andenken eines so berühmten Künstlers.“

Veranstaltungen

Modell für eine Ausstellung
19. Juni bis 27. August 2016

Ausstellungen

Munch Museet